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Die Revision der ISO 9001:2015

Donnerstag, 28 August 2014 •

Die internationale Organisation für Normung (ISO) arbeitet seit 2012 an einer Revision der ISO 9001. Jetzt liegt aktuell die Veröffentlichung des Entwurfs ISO/DIS 9001:2015 vor. Die Veröffentlichung der endgültigen Fassung ist für 2015 geplant.

 
 
 
 
 

Was wird sich ändern?


Neue Strukturierung:

Die bisherigen 8 Kapitel werden in insgesamt 10 Kapitel überführt und folgen damit der neuen High Level Structure (HLS). Die HLS wird zukünftig für alle Managementsystemnormen verbindlich und soll die Integration in ein Managementsystem erleichtern. Daher sollen die ISO 14001 und BS OHSAS 18001 nach der gleichen Struktur überarbeitet werden.

Strukturvergleich der ISO/DIS 9001:2015 gegenüber der ISO 9001:2008
ISO/DIS 9001:2015 ISO 9001:2008
1. Anwendungsbereich 1. Anwendungsbereich
2. Normative Verweise 2. Normative Verweise
3. Begriffe 3. Begriffe
4. Kontext der Organisation 4. Qualitätsmanagementsystem
5. Führung 5. Verantwortung der Leitung
6. Planung 6. Management von Ressourcen
7. Unterstützung 7. Produktrealisierung
8. Betrieb 8. Messung, Analyse und Verbesserung
9. Leistungsbewertung  
10. Verbesserung  

 

 

 

 

 

 

 

 

Änderungen in der Terminologie:

ISO 9001:2008 ISO/DIS 9001:2015
Produkt Produkt und Dienstleistungen
Dokumente und Aufzeichnungen, dokumentierte Verfahren Zusammengefasst zu: dokumentierte Informationen
Ausschlüsse Der Begriff wird nicht mehr verwendet, dafür ist die Prüfung der Anwendbarkeit definiert
Arbeitsumgebung Prozessumgebung
Beauftragter der obersten Leitung QMB wird nicht mehr explizit gefordert, jedoch wird die Führung stärker in die Pflicht genommen

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Gewichtung der interessierten Parteien:

Mit interessierten Parteien sind Personen oder Organisationen gemeint, die eine Entscheidung bzw. Aktivität beeinflussen können oder auch von einer Aktivität oder Entscheidung betroffen sind. Der verwendete Stakeholder-Ansatz geht davon aus, dass ein nachhaltiger Unternehmenserfolg nur zu gewährleisten ist, wenn die Organisation die Beziehungen zu allen bzw. ihren wichtigsten Interessengruppen (z.B. Kunden, Endverbraucher, Lieferanten, Behörden, etc.) in Einklang bringt. In der ISO 9001:2015 soll daher die Ermittlung der relevanten interessierten Parteien und deren Bedürfnissen und Erwartungen vorgegeben werden.


Aufwertung des Prozessansatzes:

Der prozessorientierte Ansatz der ISO 9001:2008 wird mit der Revision ausdrücklich gefordert und ganz klar umrissen. Grundpfeiler des Prozessansatzes sind: Identifikation der notwendigen Prozesse, Definition der Inputs und Outputs sowie der Reihenfolge und Schnittstellen der Prozesse. Für die Prozesse müssen Verantwortliche benannt und mit den nötigen Befugnissen ausgestattet werden.


Forderung eines „risikobasierten Denkens":

Die Berücksichtigung von Risiken wird an mehreren Stellen des Normentwurfs erwähnt und umfasst sowohl die strategische als auch die operative Ebene. Folglich findet sich die Risikobetrachtung in den Normkapiteln des prozessorientierten Ansatzes, der Führung und sehr stark im Planungsabschnitt wieder. Die aus den identifizierten Chancen und Risiken abgeleiteten Maßnahmen sollen geplant, umgesetzt und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden, um die Risiken zu minimieren. Eine Forderung nach einem standardisierten Risikomanagement enthält der Normentwurf jedoch nicht.
Die „vorbeugenden Maßnahmen" werden begrifflich nicht mehr explizit genannt, denn diese sind nun in den risikobasierten Ansatz eingebettet worden.


Dokumentierte Informationen:

Durch die Zusammenfassung der bisher verwendeten Begriffe „Dokumente", „Aufzeichnungen" und „dokumentierte Verfahren" in den neuen Oberbegriff „Dokumentierte Informationen" ist die Absicht verbunden, der Organisation mehr Flexibilität bei der Ausgestaltung und dem Nachweis eines Managementsystems zu ermöglichen. In der Praxis ändert sich jedoch nichts: „Dokumentierte Verfahren" entsprechen nun der neu formulierten „Anforderung, dokumentierte Informationen aufrechtzuerhalten", und „Aufzeichnungen" mit der „Anforderung, dokumentierte Informationen aufzubewahren".
Ein Qualitätsmanagementhandbuch wird nicht mehr verlangt – die angemessene Form der Dokumentation für das QM-System kann von der Organisation getroffen werden. Die inhaltlichen Anforderungen bleiben jedoch erhalten.

 

Verantwortung der Leitung:

Ein Qualitätsmanagementbeauftragter (QMB) wird nicht mehr explizit gefordert. Die bisherige Verantwortung eines QMB soll zukünftig bei der obersten Leitung liegen und nimmt die Führung somit stärker in die Pflicht.


Management Review:

Der Management Review wird im Umfang um die Punkte „Bewertung von Risiken und Chancen", „Berücksichtigung der relevanten, interessierten Parteien" sowie der „Strategischen Ausrichtung der Organisation" erweitert.


Zeitplan und Ausblick

Der DIN EN ISO 9001 Entwurf (DIS – Draft International Standard) liegt seit Mitte Juli 2014 auch in deutscher Sprache zur öffentlichen Kommentierung vor. Nach dem Durchlaufen weiterer Entscheidungsrunden bei der ISO, ist mit der Veröffentlichung der ISO 9001:2015 im September 2015 zu rechnen. Ab Erscheinungsdatum ist eine dreijährige Übergangsphase geplant. Innerhalb dieses Zeitraumes müssen die Unternehmen ihr Qualitätsmanagementsystem an die neuen Anforderungen anpassen.
Im Rahmen der laufenden sowie bevorstehenden Kommentierungs- und Entscheidungsrunden sind noch Änderungen am momentanen Normentwurf zu erwarten. Die bfk ingenieure werden diese Phase bis zur definitiven Ausgestaltung der Norm genau verfolgen. Wir befürworten daher, die Anpassung eines QM-Systems bis zur Vorlage der endgültigen Fassung der ISO 9001:2015 abzuwarten und empfehlen dann im Zuge der turnusmäßigen Wiederholungsaudits frühzeitig eine Aktualisierung Ihres QM-Systems auf die neue Norm durchzuführen. Wir, die bfk ingenieure, unterstützen Sie gerne dabei.

 

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